Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater ist,

dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht.

William Shakespeare

Freitag, 1. März 2013

Demonstration, Petition, Facebookaktion...


"Hier unterschreiben!"
"Unterstütz XY!"
"Jetzt aktiv werden!"
"Selbst bestimmen!"
"Unterzeichne die Petition...!"

Täglich wird man von duzenden solcher Sätze bestürmt, an Straßenecken, im Einkaufszentrum, auf Plakaten, in E-mails und seit geraumer Zeit auch im Internet.
"Bitte teilen!" heißt es da an jeder Ecke, vor allem in Facebook. Und wenn dann der fettgedruckte Satz mächtig Eindruck hinterlassen hat, dann wird heftig geteilt und gevotet und unterstützt und unterzeichnet.
Vielfach, ohne sich wirklich durchgelesen zu haben, worum es überhaupt geht, oftmals weil es die 485 Freunde auch gemacht haben, manchmal um sich ein gutes Gewissen einzureden.
Aber was bringt das "Gelike" und "Geteile" wirklich?
Glaubt da echt jemand dran, dass bei 500Likes ein Streuner weniger zu Tode gequält wird, dass Trinkwasser ein Menschenrecht wird und die Merkel freiwillig zurücktritt?
Wer glaubt daran, dass es etwas bringt, wenn man 200 Online-Petitionen unterzeichnet hat, dass das Hanf wirklich freigegeben wird, S21-Befürworter zur Kasse gebeten werden oder die Kindersoldaten in Afrika gerettet werden?
Ich glaube der Internetnutzer von heute macht es sich arg einfach mit der täglichen guten Tat. Ein Klick und... ja was und?
Was passiert dann mit diesen Umfragewerten? Diesen Unterschriften? Gibt es irgendwo eine Statistik, wieviele dieser Petitionen erfolgreich waren?
Ich behaupte jetzt mal, dass das Ergebnis erschreckend gering wäre. Denn, die meisten Unterstützer verschwenden mit Sicherheit keine 24h nach der Unterschrift keinen weiteren Gedanken mehr daran, was sie unterstützen. Protest findet nur genau 5min lang aktiv statt, eben genau die 5min lang die es braucht, sich über eine Ungerechtigkeit aufzuregen, das Formular mit Namen und Anschrift auszufüllen und mit dem neuen Ausweis seine Identität zu verifizieren. Vielleicht unterhält man sich noch ein bisschen per Kommentar unter dem geteilten Beitrag über das Thema, vielleicht entbrennt noch eine kleine Diskussion, aber auch dieses Flämmchen erlischt rasch und zurück bleibt, das pseudo-guter-Mensch-Gefühl.

Ja dann hält man sich wohl am besten raus oder?

Nee nee,... so leicht ist das leider nicht. Denn a) kann man den Aufregern des Tages und den Petitionen nicht entkommen und b) gilt man als uninformiert und egoistisch, wenn man sich nicht wie alle anderen auch über die Ungerechtigkeitender Welt aufregt und seine Unterstützung beurkundet.
Man kann ihnen einfach nicht entkommen, den Onlineaktivisten, den Unterstützern, Petitionisten, Tierfreunden und Hobbypolitikern.

Ich persönlich finde es auch gar nicht falsch sich zu engagieren und für Ziele einzusetzen, die in 100 Jahren unseren Fortbestand sichern könnten, aber was ich nicht verstehen kann, ist, dass sich das Ganze in letzter Zeit zu einem Trend auswächst, der teilweise Bildzeitungs-Niveau ( schlimm wenn man die beiden Begriffe in einem Satz verwenden muss) erreicht, wo alles und jedes irgendwie per Petition oder Teil-Bildchen verbreitung findet.
 Wo man jeden Tag mit etwas neuem gefüttert wird, worüber man sich gefälligst aufzuregen hat.

Was ist denn eigentlich aus unseren guten, alten  Demos geworden? Aus "Love and Peace" und rießigen Bannern, Blümchen und dergleichen? Stattdessen schaffen es gerade mal die extrem-politischen Jugendlich auf die Straße, gelegentlich ein paar Studenten bei Studiengebühren oder die Piraten, wenn es um ACTA oder ähnliches geht.  Es gibt Frauendemos für Frauenrechte und Arbeiterdemos für Arbeiterrechte,... aber alle sind sie doch egoistisch, denn nicht alle von uns sind Studenten, Computerfreaks, Frauen oder Arbeiter.
Warum geht eigentlich keiner für Menschenrechte, wie zum Beispiel das Trinkwasser, oder gegen die Ausbeutung von afrikanischen Kindern auf die Straße?
Das sind Dinge, die uns alle betreffen, aber wir schaffen es nichtmal den Hintern hochzubekommen, sondern glauben fest daran, dass ein Klick im Netz schon alles regeln wird.

*klick*
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Ich hoffe, dass ich damit ein bisschen zum Nachdenken und selbstkritischen Vorgehen beitrage.

1 Kommentar:

  1. hey Große,
    ein paar Kleinigkeiten hab ich dir ja schon privat geschrieben. Ich kann deine Meinung nicht ganz teilen. Nimm z.B. mal Compact, bei diesen Online-Petitionen machen meist sehr viele mit, da man auswählen kann, ob und über welche anderen man informiert werden will.

    Zumal die Online-Petitionen direkt an den Bundestag, wenn die das Quorum schaffen, behandelt werden und sich so auch wieder die Politik damit beschäftigen muss.

    Aber ja, wir sollten mehr auf die Straßen gehen und demonstrieren, uns mehr mit anderen Themen auseinander setzen und nicht nur unser eigenes Süppchen kochen. Das ist aber leider nicht die Mentalität der Deutschen.

    So den Rest spar ich mir :D

    LG

    Benny

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