Ich sehe mein Haus in der Ferne. Es steht am Rande des Dorfes auf einem Hügel der an den Wald grenzt. Ein hoher Weidenzaun umgibt das kleine Grundstück, dass mein Vater mir, als seinem einzigen Kind überlassen hat. Im Garten wachsen Blumen, Kräuter und etwas Gemüse. Ein Schuppen lehnt sich windschief an das zweistöckige Häuschen, dessen beste Tage längst vorbei sind. Dennoch ist es mein zu Hause. Ein anderes kenne ich nicht, ein anderes habe ich nicht. Aus dem Schornstein steigt eine dünne Rauchsäule auf, auf der Veranda steht noch immer der Lehnstuhl meiner Großmutter, darin liegt Ellis meine Katze. Wind weht die bunten Blätter den Weg hinauf zu meinem Gartentor. Sonnenblumen neigen sich über den Zaun um mich zu begrüßen. Eine Krähe sitzt auf einem der Kürbise im Garten.
Ich weiß, dass es mir eines Tages genommen wird.
Interessenten stehen Schlange, ich bin allein und habe keinen der mich vor dem Recht vertritt.
Ich vermisse meinen Vater. Der Verlust schmerzt auch noch nach wenigen Monaten.
Eine Träne läuft meine Wange herab.
Der Wind trägt mich fort.
Er ruft nach mir.
Alara
Alara!
"Alara!"
Verwirrt öffne ich die Augen und blicke mich um.
Halbdunkel, Bett, Decken, Kissen, ein Vorhang ohne Kordel, ein Mann ohne Gesicht.
Panisch werfe ich mich herum. Schlage um mich, schreie um Hilfe.
Ich will davon laufen, doch meine Beine bewegen sich nicht, mein Kopf hämmert wie verrückt. Erneut laufen Tränen über meine Wangen.
"Alara, beruhigt euch! Ihr seid hier in Sicherheit!" Seine Stimme klingt wütend. Er drückt meine Arme mit festem Griff aufs Bett, als würde er eine leblose Puppe halten.
Ein fahler Lichtschein beleuchtet seine Augen. Es ist er. Thierry. Ihn habe ich also nicht geträumt. Das macht es auch nicht besser.
Während ich vergeblich versuche mich loszureißen, schreie ich ihn an um meine Angst zu verbergen: "Sicherheit nennt ihr das? Ich weiß nicht was los ist, was ihr von mir wollt und womit ich das verdient habe. Ihr haltet mich hier fest und schüttet mir Dinge in den Whiskey, sodass ich nicht mehr Herrin meiner Sinne bin. DAS haltet ihr für Sicherheit? Was für ein kranker Mensch seid ihr bloß!?"
Noch immer versuche ich meine Füße zu bewegen, obwohl mir langsam klar wird, dass sie von einem groben Seil zusammengehalten werden. Entsetzt und wütend fahre ich fort:
Noch immer versuche ich meine Füße zu bewegen, obwohl mir langsam klar wird, dass sie von einem groben Seil zusammengehalten werden. Entsetzt und wütend fahre ich fort:
"Warum tut ihr das? Warum fesselt ihr mich? Ich habe doch nichts getan!"
Verzweiflung und Angst nehmen mich in Besitz. Ich versuche mich zusammen zu rollen. Mich so klein wie möglich zu machen. Ich fühle mich schutzlos und ausgeliefert. Sein Blick hat etwas wildes, animalisches. Wie ein Kaninchen im Fuchsbau fühle ich mich. Erneut rollen Tränen über meine Wangen. Mein ganzer Körper ist verkrampft und schmerzt.
Verzweiflung und Angst nehmen mich in Besitz. Ich versuche mich zusammen zu rollen. Mich so klein wie möglich zu machen. Ich fühle mich schutzlos und ausgeliefert. Sein Blick hat etwas wildes, animalisches. Wie ein Kaninchen im Fuchsbau fühle ich mich. Erneut rollen Tränen über meine Wangen. Mein ganzer Körper ist verkrampft und schmerzt.
Ich sehe ihn nicht an, doch ich spüre, dass er mich ansieht. Höre sein Atmen dicht an meinem Ohr.
Als er antwortet, hat sich der Klang seiner Stimme verändert. Eher resigniert und besorgt, als wütend. "Alara, ich bitte euch, ich bitte DICH, beruhige dich, dann will ich dir alles erklären. Doch zuerst musst aufhören um dich zu schlagen, zu treten und so zu schreien. Ich will dir wirklich nichts tun. Hab bitte keine Angst vor mir! Kannst du das versuchen?"
Ich versuche das Zittern aus meiner Stimme zu vertreiben und antworte mehr oder weniger ruhig, aber wachsam: "Dann heraus damit! Und wehe, wenn ihr mich erneut belügt!"
Er atmet tief ein, lockert seinen Griff um meine Handgelenke und setzt sich neben mich auf die Matratze."Ich fasse das mal als 'Ja' auf. Nun gut. Du bist im Wald schwer gestürzt und hast dich am Kopf verletzt. Ich habe dich soweit versorgt, wie es mir mit den bescheidenen Mitteln hier möglich war und dich in meinem Bett schlafen lassen, während ich auf dem Sofa genächtigt habe, zwei Nächte lang. Die letzte Nacht habe ich hier auf dem Boden VOR dem Bett zugebracht, da ich fürchtete, dass du bei deinem Erwachen alles andere als gut auf mich zu sprechen sein würdest. Womit ich offensichtlich Recht hatte. Zu den anderen Vorwürfen: Du hast dir so schwer den Kopf gestoßen, dass du von ganz allein wieder umgekippt bist, nachdem du so fluchtartig die Halle verlassen hattest. In deinem Glas war lediglich ein sehr guter, alter Scotch. Eine Schande, dass du den Rest so verschüttet hast. Aber, das gebe ich zu, das war auch meine eigene Schuld. Mir war einfach nicht klar, wie verängstigt du sein musstest. Das tut mir sehr leid. Ich wollte dir keine Angst damit machen, dass ich dich noch länger hier behalten werde. Ich hatte gehofft etwas Humor würde die Situation auflockern. Aber scheinbar bin ich wirklich der Esel für den mich meine Freunde in Bezug auf das weibliche Geschlecht halten. Ich wollte damit lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich dich nicht eher gehen lasse, bevor du nicht vollkommen gesund bist, denn ich fühle mich schuldig, da du meinetwegen verletzt bist."
Er macht eine Pause und sieht mich unsicher an.
Ich muss wohl ziemlich blöde aussehen, wie ich so mit offenem Mund ans Kopfende des Bettes gelehnt sitze und ihn ungläubig anstarre. Die Augen noch immer feucht von Tränen und vor Wut gerötete Wangen.
"Wenn du meine Entschuldigung natürlich nicht annehmen willst, dann verstehe ich das vollkommen. Dann gehe ich ins Dorf und hole dir einen richtigen Arzt. Ich dachte nur, dass mein bisheriges Medizinstudium dafür ausreichend ist und..."
Ich muss lachen.
Ich muss so laut lachen, dass er kurz einfach nur verdattert da sitzt und mich ansieht, als hätte ich den Verstand verloren.
Prustend und hustend würge ich schließlich eine Antwort hervor.
"Du willst einen von diesen Metzgern und Quacksalbern hier her holen, damit er mit seinen alten, knochigen Finger an mir herumtatschen kann?" Ich kichere. "Nur zu, die im Dorf wären höchst erfreut über Klatsch und Tratsch und neuen Gründen mich aus meinem Haus zu vertreiben. Vielleicht schicken sie dir auch gleich den Henker mit. Der macht mit mir dann kurzen Prozess und alle werden sagen, ich sei meinen Verletzungen erlegen." Ich muss grinsen, auch wenn mir davon der Schädel in ungekannten Formen schmerzt. Genau wie der Gedanke, dass, wenn irgendjemand hiervon erfahren würde, meine Tage in diesem Dorf gezählt waren. Herausfordernd sah ich ihn an.
Während meiner Rede war er merklich in sich zusammengesackt. Seine Hände lagen Und sein Gesichtsausdruck erinnert mich nun an die vielen Patienten, die ich aufgrund einer Lebensmittelvergiftung behandelt hatte.
Er sieht echt elend aus. Ein bisschen wie ein geprügelter Hund.
Ich versuche meinen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Irgendwie tut er mir leid. Da hilft er mir, versorgt mich und wie danke ich es ihm? Indem ich ihm die schlimmsten Dinge unterstelle und ihn letztlich verhöhne. Noch immer liegen seine Hände locker auf meinen Unterarmen. Vorsichtig bewege ich einen Arm. Seine Hand zuckt leicht. Ich richte mich vorsichtig auf und lehne mich an das reich verzierte Kopfende des Betts, sodass wir auf Augenhöhe mit einander reden können. Schlaff rutschen seine Hände von meinen Armen herab, eine kommt dicht an meiner zu liegen. Ein Prickeln läuft über meine Haut. Ich begegne seinem Blick, doch er schaut betreten auf seine Hände.
"Es tut mir leid." murmeln wir beide gleichzeitig. Er sieht mich an. Verwundert. Nahezu entgeistert. Unsere Blicke begegnen sich erneut. Ich muss schmunzeln. Was tue ich da? Wollte ich ihm nicht eben noch das Gesicht zerkratzen? Meine ganze Angst ist verschwunden. Er setzt an etwas zu sagen, doch ich unterbreche ihn:
"Hör auf. Es muss dir nichts mehr leid tun, du hast dich schon genug entschuldigt. Ich bin nun an der Reihe. Du konntest nicht wissen, wer ich bin und was ich durchgemacht habe. Du konntest nicht ahnen welche Ängste ich in den letzten Monaten ausstehen musste. Und was man mir antun wollte... Angetan hat." Meine Stimme zittert, bricht.
Eine einzelne Träne rollt über meine Wange.
Tropft auf seine Hand.
Seine Hand zuckt erneut und legt sich dann über meine. Warm und sanft.
So sitzen wir da.
Schweigend.
Jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
Die Minuten verstreichen und ich lausche seinem Atmen.
Dann drückt er vorsichtig meine Hand, steht auf und geht ohne sich umzusehen zur Tür.
"Bleib so lange wie du willst. Lass mich wissen, wenn du etwas brauchst."
Bevor er die Tür von außen zur Gänze verschließt, sieht er doch noch einmal zurück.
Und sein Blick lässt in mir jeden Knochen gefrieren.
Ich versuche meinen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Irgendwie tut er mir leid. Da hilft er mir, versorgt mich und wie danke ich es ihm? Indem ich ihm die schlimmsten Dinge unterstelle und ihn letztlich verhöhne. Noch immer liegen seine Hände locker auf meinen Unterarmen. Vorsichtig bewege ich einen Arm. Seine Hand zuckt leicht. Ich richte mich vorsichtig auf und lehne mich an das reich verzierte Kopfende des Betts, sodass wir auf Augenhöhe mit einander reden können. Schlaff rutschen seine Hände von meinen Armen herab, eine kommt dicht an meiner zu liegen. Ein Prickeln läuft über meine Haut. Ich begegne seinem Blick, doch er schaut betreten auf seine Hände.
"Es tut mir leid." murmeln wir beide gleichzeitig. Er sieht mich an. Verwundert. Nahezu entgeistert. Unsere Blicke begegnen sich erneut. Ich muss schmunzeln. Was tue ich da? Wollte ich ihm nicht eben noch das Gesicht zerkratzen? Meine ganze Angst ist verschwunden. Er setzt an etwas zu sagen, doch ich unterbreche ihn:
"Hör auf. Es muss dir nichts mehr leid tun, du hast dich schon genug entschuldigt. Ich bin nun an der Reihe. Du konntest nicht wissen, wer ich bin und was ich durchgemacht habe. Du konntest nicht ahnen welche Ängste ich in den letzten Monaten ausstehen musste. Und was man mir antun wollte... Angetan hat." Meine Stimme zittert, bricht.
Eine einzelne Träne rollt über meine Wange.
Tropft auf seine Hand.
Seine Hand zuckt erneut und legt sich dann über meine. Warm und sanft.
So sitzen wir da.
Schweigend.
Jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
Die Minuten verstreichen und ich lausche seinem Atmen.
Dann drückt er vorsichtig meine Hand, steht auf und geht ohne sich umzusehen zur Tür.
"Bleib so lange wie du willst. Lass mich wissen, wenn du etwas brauchst."
Bevor er die Tür von außen zur Gänze verschließt, sieht er doch noch einmal zurück.
Und sein Blick lässt in mir jeden Knochen gefrieren.


