Im Schatten eines Baumes sah ich dich stehen,
vom Mond beschienen nur die weiße Haut deines Rückens,
nass glänzend vom Regen, der daran hinabrann.
Das dunkle Haar, ebenso glänzend, hing dir tropfend in die Stirn
sodass ich nur leicht glänzend deine Augen erahnen konnte.
Wie Nebel sah ich die Atemwölkchen vor deine leicht geöffneten Lippen treten
und auch von ihnen tropfte der Regen...
tropfte zu Boden
ins feuchte,
raschelnde
Laub.
Gebannt stand ich da.
Das prasseln des Regens auf den Blättern.
Tropfen auch auf meiner Haut, die ich nicht spürte.
Beobachtete die Rinnsale, die deinen nackten Oberkörper hinabflossen.
Trank die Szene wie einen teuren, alten Wein.
Genoss jeden Schluck.
Ließ jeden Augenblick auf der Zunge zergehen.
Bis...
Blitzschnell blickst du auf, blickst mich an.
Mit diesen unergründlichen, im Schatten liegenden Augen, die nur das Mondlicht lebendig zu machen scheint.
Du trittst aus dem Schatten ins Mondlicht, in deinem Blick eine Frage.
Verwunderung, Neugier
Ich löse mich aus meiner Erstarrung, bin dennoch wie gefesselt.
Meine Glieder gehorchen mir nicht mehr.
Das Buch, das ich zuvor noch an meine Brust gepresst gehalten hatte, fällt zu Boden.
Wie in Zeitlupe
fällt
es
ins
nasse
Laub.
Wir starren uns an,
wie zwei wilde Tiere.
Jede Faser unserer Körper ist angespannt, bereit zum Sprung? Bereit zur Flucht?
Liegt da etwas anderes hinter der Verwunderung?
Sehe ich Hunger? Sehe ich Verlangen?
Starre ich in Abgründe, wenn ich in deine Augen sehe?
Kalte Schauer laufen mir den Rücken herab und mir wird bewusst, dass meine Kleider auch real bis auf die Haut vom Regen durchtränkt sind.
Das Nachthemd, sowie der Wollmantel den ich übergeworfen hatte, kleben an mir wie eine zweite Haut.
Ich zittere.
Du machst einen Schritt auf mich zu. Hältst meinen Blick gefangen.
Ich weiche zurück. Mein Herz klopft.
Erneut machst du einen Schritt auf mich zu.
Und ich weiche zurück.
Mir wird bewusst, dass deine Schritte viel größer sind als die meinen.
Ich taumle zurück, etwas zu hastig.
Stolpere über ein Wurzel.
Stürze.
Ins nasse Laub.
Mein Kopf stößt gegen etwas hartes.
Mein Herz pocht schneller.
Ich versuche mich aufzurappeln, doch vor meinen Augen tanzen Sterne.
Und schon verdeckt dein Schatten den Mond.
Du kniest dich zu mir nieder.
Streckst die Hand nach meinem Arm aus um mich in eine sitzende Position bewegen zu können.
Ein stechender Schmerz durchzuckt meinen Kopf, doch in Gedanken wundere ich mich nur über die Wärme, die von deiner Hand ausgeht.
Vorsichtig hältst du mein Kinn in einer Hand während du dir meinen Kopf besiehst.
Ich schließe die Augen und genieße die Wärme deiner Hände, atme den Duft deiner nassen Haut.
Ich spüre, wie ich mich entspanne, zerfließe zwischen den Regenschleiern,
wie mich der Duft von feuchtem Laub, von Regentropfen und deiner Haut umfängt und hinwegträgt.
Fort in einen Nebel aus fernen Schritten und raschelndem Laub,
gewiegt in einem Kokon aus Wärme und Nacht.
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